12.09.2022 | Studie

Faktoren regionaler Gründungsneigung

Erfolgreiche Gründungsökosysteme zeichnen sich durch eine gute Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur, eine hohe Bevölkerungsdichte, einen hohen Anteil an ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern sowie durch viele qualifizierte Erwerbstätige aus.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn. Untersucht wurden regionale Gründungsökosysteme auf Kreisebene. "Auf den ersten Blick scheinen Städte generell die besseren Standortfaktoren für potenzielle Gründerinnen und Gründer zu bieten als ländliche Regionen. Tendenziell ist das auch so. Es gibt aber auch Städte in Deutschland, deren Bevölkerung unterdurchschnittlich gründungsgeneigt ist, wie beispielsweise Wolfsburg, Bottrop, St. Wendel oder Jena", berichtet die Studienleiterin Dr. Rosemarie Kay.

Zugleich fanden die IfM-Forschenden 11 ländlich geprägte Kreise, in denen die Gründungsneigung in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich hoch war. Zu diesen herausragenden Landkreisen gehören neben Marburg-Biedenkopf, Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen auch der Lankreis Görlitz sowie Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming.

Spezifische Stärken kompensieren spezifische Schwächen

Ein Patentrezept für die Entwicklung eines guten regionalen Gründungsökosystems gäbe es allerdings nicht. Auch müssten regionale Gründungsökosysteme nicht in jeder Hinsicht herausragend ausgestattet sein, um mit einer hohen Gründungsneigung einherzugehen. "Wir haben vielmehr festgestellt, dass spezifische Stärken spezifische Schwächen kompensieren können. So scheint sich im Falle des Landkreises Görlitz, wo sich viele polnischstämmige Soloselbstständige des Baugewerbes finden, die Grenzlage positiv auszuwirken. In anderen Kreisen können offenkundig Hochschulen oder das touristische Angebot die gegebenen regionalen Schwächen ausgleichen.

Mit anderen Worten: Das Bündel an gründungsförderlichen Rahmenbedingungen kann von Region zu Region sehr unterschiedlich sein. Letztlich kommt es bei einem guten Gründungsökosystem auf ein günstiges Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren an", resümiert Dr. Rosemarie Kay. Dies könne sich dann auch in krisenhaften Phasen stabilisierend auf das Gründungsgeschehen in einer Region auswirken. 

(IfM / STB Web)